Fashion-Lounge

Fashion Week Berlin

Vom 4. bis 7. Juli war Berlin einmal mehr Treffpunkt der internationalen Modeszene: Die Fashion Week 2017 hat Aussteller und Einkäufer, Trendscouts und Journalisten in die Landeshauptstadt gelockt und facettenreiche Einblicke in die Kollektionen der Frühjahr-/Sommer-Saison 2018 gegeben. Obgleich die Besucherzahlen in diesem Jahr erstmalig rückläufig waren, hat sich die Metropole wie gewohnt als perfekter Messestandort gezeigt, geprägt von multikulturellem Spirit und belebt von kreativen Nachwuchslabels, deren Mode erfrischend unkonventionell daher kommt und Mut zur Eigenwilligkeit jenseits von Masse und Mainstream beweist. Anne-Katrin Albiez, Einkäuferin im Kaiser Damenhaus, und Patrick Mazurek, Einkäufer und Filialleiter im Kaiser S1, berichten von ihren Eindrücken und Neuentdeckungen.

Liebe Anne, lieber Patrick, die Berlin Fashion Week gilt gemeinhin als wichtigste deutsche Leitmesse der Branche. Seht ihr das für euch ebenso oder wird das ein wenig hoch gehandelt? AKA: Sagen wir so, die Berlin Fashion Week ist einfach gesetzt, das hat sicher auch mit dem Flair der Stadt zu tun; Berlin ist jung, Berlin hat eine Szene, es ist viel in Bewegung dort, das macht es spannend. Ich bin sehr gerne dort, um mich inspirieren und informieren zu lassen, man kennt sich, es ist ein großes "Hallo", wir treffen uns zum "Get together" mit Lieferanten oder Kollegen anderer Häuser und tauschen uns aus. Dieser persönliche Kontakt macht es aus. PM: Ich sehe das auch so, Berlin hat für mich nach wie vor einen hohen Stellenwert und die Veranstaltungen sind wichtig zum Networken; man trifft sich persönlich und kann gute Gespräche führen. Einladungen von Lieferanten bieten eine gute Möglichkeit, sich auszutauschen, neue Kontakte zu knüpfen sowie das eine oder andere Kollektionsthema zu vertiefen. Die Atmosphäre ist entspannter als im Ordergespräch und man begegnet Menschen, die man im Alltag einfach nicht trifft.

Wie dürfen wir uns einen klassischen Messetag vorstellen, von A bis Z durchgetaktet oder eher frei gestaltet? PM: Natürlich gibt es feste Termine, aber wir tauchen auch ganz bewusst in die Atmosphäre ein und lassen uns treiben, um neue Ideen und Eindrücke zu sammeln.

Wo geht es hin, was gibt es Neues, welchen Themen werden uns weiter beschäftigen? So richtig entspannt ist das aber nicht, es sind einfach unglaublich viele Eindrücke, es ist überall etwas los und es pulsiert. Gutes Zeitmanagement ist extrem wichtig, Berlin ist halt einfach groß und die Wege sind weit. AKA: Ich plane für die Panorama und die Premium jeweils einen Tag ein und schaue, welche Sonderveranstaltungen und Events mich interessieren und sich gut damit vereinbaren lassen. Über die Termine mit den gelisteten Marken hinaus ist mir das freie Laufen durch die Hallen total wichtig, weil es die beste Gelegenheit ist, wirklich Neues zu entdecken. Am letzten Tag geht es zum Store Check durch die Stadt; dabei habe ich den Fokus diesmal auf Concept Stores mit ausgewählten, individuellen Produkten gelegt.

Stichwort Neuentdeckungen, wer oder was hat euch spontan begeistert? AKA: Die Kleider-Kollektion von Cecilie Copenhagen hat es mir angetan, die haben eine ganz klare, unverkennbare Signatur. Die Muster sind geprägt vom Pali-Print, also vom Palästinenser-Tuch der 70er Jahre. Das kennen wir ja auch schon von anderen, aber diese Kleider sind wunderbar leicht und sommerlich, feminin, aber frech, irgendwo zwischen Strand- und Festival-Look. Ich habe die Kollektion als gute Ergänzung im Trendbereich empfunden. PM: Im Bereich Neuentdeckungen haben mir die Kollektionen von Wood Wood und Minimum sehr gut gefallen. Beides ganz klare Kandidaten fürs S1 mit ihrer skandinavischen und urbanen Streetwear Ausrichtung. Auch Samsoe & Samsoe wird eine immer größere Rolle im S1 spielen und Puma wird auf dem Sneaker Markt für neue Impulse sorgen. Ansonsten waren noch viele spannende Themen für den Concept Bereich dabei, in den nächsten Wochen wird es da konkreter.

Wie schaut es ganz grundsätzlich aus, welche Themen werden uns im Frühjahr/Sommer 2018 neu begegnen oder weiter begleiten? PM: Military, Streetwear und Crossover Mix gehen in eine weitere Runde, mit neuen Interpretationen und Details, Athleisure bleibt ein ganz starkes Thema oder geht bei uns vielleicht jetzt erst richtig los. Bei den Schnitten geht es zunehmend entspannter und lässiger zu, es wird mit der Weite gespielt und der Easy Look kommt jetzt eine Spur maskuliner und spitzer. Jeansjacke, Military-Hemd und Tapered Chino mit Bundfalte bleiben auf jeden Fall aktuell. AKA: Das sieht bei den Mädels recht ähnlich aus; Worker- und Military-Einflüsse sind auch im nächsten Jahr in vielen Linien zu sehen, die Logo-Mania bleibt ungebrochen und auch Athleisure entwickelt sich weiter. Auf der Messe waren auffällig viele Kleider und vermehrt wieder Anzüge zu sehen, extrem cool und preppy, also alles andere als brav, darauf freue ich mich, da dürfen wir Spannendes erwarten. Bei den Schnitten geht die Tendenz weg von ganz skinny zu straight, die Stoffe kommen luftig und voluminös, die Schnitte eigen und dekonstruiert.

Wie sieht es bei den Farben aus, was sollten wir keinesfalls voreilig aus dem Schrank verbannen? PM: Olive und Navy, Rottöne und Grau - im Grunde sind das allesamt Fortsetzungen der aktuellen Saison. Wobei sich die Palette der Blau- und Grautöne stetig erweitert. Starke Signalfarben sind häufig zu sehen, wer mutig ist oder es einfach mag, setzt auf Kontraste. Rosetöne sind auch stark vertreten, mal kräftiger, mal gedeckter. AKA: Lila war auf dieser Messe in allen Facetten und extrem häufig zu sehen, es sticht bei den Mädels allerdings auch schon für die kommende Herbst/Winter-Saison als neue Farbe herauss. Rot- und Grüntöne waren ebenfalls sehr präsent, insbesondere kräftiges, leuchtendes Rot hat in vielen Kollektionen für echte Hingucker gesorgt.


17.07.17

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