Fashion-Lounge

#missunderground

Im Gespräch mit Gerhard Kaiser

Die Welt ist voller Ideen Die Kaiser Modehäuser haben anfangs September nach langer Umbauphase das Untergeschoss des Kaiser Damenhauses wiedereröffnet. Was sichtbar wird, ist das Ergebnis einer weitreichenden Entwicklung, langer Reisen durch die Modemetropolen der Welt und offener, kreativer Teamarbeit. Der Prozess hat einige Jahre in Anspruch genommen, mit der Neueröffnung ist er nun auch architektonisch sichtbar geworden. Gerhard Kaiser, Inhaber und Geschäftsführer der Kaiser Modehäuser, erläutert im Gespräch seine ganz persönlichen Gedanken dazu.

Die Grundidee in der Flächengestaltung war Flexibilität und Mobilität, können Sie uns die Gedanken hinter diesem Konzept ein wenig erläutern? GK: Wir möchten der zunehmenden Dynamik in der Modewelt Raum geben, es war uns wichtig, auf Innovationen und Marktströmungen schnell reagieren zu können und in einem hohen Maße wandlungsfähig zu sein. Der Kern ist: Kontinuität in der Qualität der Auswahl, Aktualität in der Zusammenstellung und Attraktivität in der Inszenierung.

Wie sieht das für die Kundin aus, was darf Sie erwarten? GK: Wir haben sichtbare Stil- und Themenwelten geschaffen, in denen sich die Kundin je nach persönlichen Präferenzen orientieren, wiederfinden und immer wieder neu definieren kann. Das Sortiment ist optisch gegliedert, legt aber niemanden fest, man kann sich frei zwischen den verschiedenen Bereichen bewegen und ganz individuell experimentieren. Wechselnde Saison- und Pop-up-Flächen sorgen zusätzlich für Abwechslung, wir möchten auch mit unerwarteten Ideen überraschen.

Ein Ansatz, den wir bereits aus dem Kaiser S1 Trendfashionhaus für die Herren kennen... GK: Das ist richtig, das Gestaltungskonzept des S1 ist vom Grundgedanken her ähnlich angelegt, allerdings löst sich die Gliederung des Sortiments hier in Etagen auf, mit der Konsequenz, dass jedes einzelne Geschoss eine eigene Welt repräsentiert. Im Damenhaus waren wir gefordert, dies auf einer Fläche umzusetzen, das sind andere Voraussetzungen und wir sind hier einen eigenständigen Weg gegangen. Sie sind ein Mensch mit einem Faible für Architekur und Interiordesign, hatten Sie von Anfang an eine klare Vorstellung im Kopf? GK: Ich hatte natürlich meine Bilder im Kopf, das ist klar, aber als Unternehmer liegt es mir am Herzen, die Mitarbeiter in solche Entwicklungsprozesse aktiv einzubeziehen. Es sind die Menschen, die für die Abteilungen stehen, in deren Händen Einkauf, Präsentation, Schulung und Verkauf liegen, es ist das Team, das sich mit seinen Aufgaben identifizieren muss. Mir ist es wichtig, jedem auf seine Weise Verantwortung zu übertragen und ihn zu eigenständigen Entscheidungen zu befähigen.

Wie lange hat die Planungsphase gedauert und wie viele Köpfe waren beteiligt? GK: Diese Geschichte hat uns sicher über drei Jahre beschäftigt, die Ideen dazu gab es schon lange, aber jetzt war die Zeit reif, es wirklich anzupacken. Wir haben uns intern und extern intensiv beraten und nahezu überall auf der Welt Anregungen geholt. Da die anhaltenden Bauarbeiten auf der Kaiser-Joseph-Straße uns lange schon angekündigt waren, haben wir diese Phase kurzerhand genutzt, um die damit verbundenen Einschränkungen und die Lärmausläufer zu synchronisieren. Auf der Fläche gibt es auch ein weiteres gastronomisches Angebot, was unterscheidet die statt-bar vom Café im ersten Obergeschoss? GK: Vereinfacht könnte man sagen, das ZITA ist klassisch und eher als Rückzugsort angelegt, die statt_bar ist ein Ort des modernen Multitaskings, wenn man es so will. Sie können sich dort auch zum Arbeiten einrichten, das Handy aufladen oder den Laptop anschließen. Es gibt Bistrotische und es gibt eine Hochsitzbar, das gesamte Gefüge erzeugt eine andere, in gewisser Weise umtriebigere Atmosphäre. Als Multizielgruppenhaus sind Sie in dieser Hinsicht besonders gefordert, wie gelingt der Spagat zwischen den vielen, oft ganz unterschiedlichen Ansprüchen und Erwartungen? GK: Man muss sich dieser Herausforderung mit Offenheit und einer klaren, eigenen Vorstellung stellen. Lange Zeit waren wir in unserem Image sehr dem Traditionellen verhaftet, diese äußere Wahrnehmung möchten wir um einen deutlichen Akzent verschieben und uns in einem erweiterten Bezugsrahmen präsentieren. Mit der Aufnahme von MANGO haben wir den ersten Schritt getan, die Marke verkörpert nicht zuletzt das Zeitalter, und die Kampagne #missunderground ist eine weitere Konsequenz  wir möchten auch im Segment Youngfashion wahrgenommen werden. 

Verbindet sich damit zugleich ein verändertes Modeverständnis, ist die Botschaft auch zeitgemäßes Crossfitting statt klassische Vertikalität? GK: Auch das ist eine Tatsache, Highfashion-Pieces und günstige Basics werden heute wie selbstverständlich kombiniert, Luxus und Fastfashion, Trends und Klassiker greifen nahtlos ineinander, der Reiz liegt im gelungenen Mix. Die Kundin darf von uns weiterhin eine exquisite Auswahl und einen umfassenden Querschnitt der aktuellen Mode erwarten, wir diversifizieren aber nicht nach Alter, sondern nach Modegrad. Sie meinen, jeder sollte heute tragen, worin er sich wohl fühlt und was ihm gefällt? GK: Ja, sicher, das ohnehin, aber ich möchte das nicht auf die pragmatische Seite dieser Freiheit reduzieren. Viel spannender ist doch, dass jede Frau heute die ganz unterschiedlichen Facetten ihrer Persönlichkeit ausspielen und auch modisch ausdrücken kann. Die Möglichkeiten sind da, das Einkommen ist heute nicht mehr maßgeblich relevant, das war in der Geschichte nicht immer so. Die Gestaltung haben die Architekten Blocher und Partner aus Stuttgart übernommen, den Ladenbau haben Sie der Firma Ganter in Waldkirch anvertraut, darüber hinaus haben unzählige Handwerker mitgewirkt, um den Eröffnungstermin zu halten. Wie haben Sie den Countdown erlebt? GK: Unsere Dienstleistungspartner haben hier ausnahmslos großartige Arbeit geleistet und ihnen gebührt ein großer Dank. Es ist uns gelungen, auf den Punkt fertig zu werden, aber wahrhaftig kaum eine Minute früher. Das macht schon mal nervös, aber wir sind ja Profis und wir haben es mit Profis zu tun. Und wenn es sein muss, dann können wir auch improvisieren.

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09.09.17

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