Mit beiden Beinen im Leben? Ziemlich lässig! Im Gespräch mit Julian Huber.

Weingut Huber

Ab wann war für dich klar, dass du Winzer werden möchtest?  

Eigentlich schon als Kind. Ich bin immer mit in die Weinberge. Das hat mords Spaß gemacht. Natürlich gab‘s Zeiten, da hat mich das tierisch genervt. Die Kumpels im Freibad und ich in den Reben. In der Pubertät sagt man dann mal: Den Mist mach ich auf keinen Fall! (lacht) Und jetzt? Bin ich mega glücklich, dass ich’s gemacht hab’.  

Wie hast du dich auf den Winzerberuf vorbereitet? 

Ich hab’ erst eine Ausbildung als Winzer gemacht. War ein Jahr in Stuttgart im Weingut Aldinger, dann ein Jahr im Burgund. Und dann direkt nach Geisenheim zum Önologie- und Weinbaustudium. Das war super, um den Weitblick zu öffnen, Kontakte zu knüpfen, das Ganze mit Wissen zu untermauern. Daraus ist ein wichtiger Freundeskreis entstanden, mit einem sehr aktiven Austausch. 

Dein Vater gilt in Deutschland als Spätburgunder-Pionier. Ist er tatsächlich so was wie eine Berühmtheit? 

Mein Vater war ein großer Visionär. Er hat gesagt: Deutschland kann Spätburgunder! Der kann hier ganz groß werden, weil wir die Böden und das Klima dafür haben. Er hat sehr viel ermöglicht für den deutschen Spätburgunder, mit einigen Winzern zusammen. Davon profitieren wir heute alle.

Wie ist das mit den Fußstapfen? Ist da ein Schatten, aus dem du heraustreten musst? 

Nein, im Gegenteil! Ich bin wahnsinnig froh und dankbar dafür, was mein Vater für eine Steilvorlage geboten hat. Ein riesen Glück. Weinbau bedeutet auch: Generationenvertrag. Bis die Reben im Alter sind, um große Qualitäten zu produzieren – das geht dreißig bis fünfzig Jahre. Sicher werde ich oft mit ihm verglichen. Aber ich bin auch ein ganz anderer Typ mit meinem eigenen Stil. Ich hör’ nie, dass meine Weine besser oder schlechter sind. Eher, dass sie anders sind. Ich mach einfach mein Ding, hinter dem ich zu 100% stehe.  

In den vielen positiven Kritiken liest man, die Weine trügen deine Handschrift. Was bedeutet das?  

Naja, jeder hat seine Interpretation von einem bestimmten Wein. Man probiert viel. Entdeckt, was einen selbst anspricht. Das Bild vom eigenen Wein wird immer klarer. Unsere Weine sind heute etwas purer und leichter. Das ist sicher auch der Zeitgeist. Wir lesen etwas früher, damit der Alkohol nicht ganz so hoch ist, der Holzeinfluss wird zurückgenommen und die Herkunft deutlicher spürbar.
Das sind so kleine Schrauben, an denen wir drehen, die aber große Auswirkungen haben können.   

Was macht euer Weingut noch anders? Was zeichnet euch aus? 

Wir arbeiten mit sehr viel Respekt vor der Herkunft und gegenüber der Natur. Wir greifen nicht viel ein, sondern lassen der Natur ihren Lauf. Da spürt man auch den französischen Einfluss in der Weinbereitung. Man sagt dazu: “Kontrolliertes Nichtstun”. Du steckst jede Menge Arbeit rein, veränderst Details, hast ein klares Bild. Aber du gewinnst mit der Zeit auch Vertrauen in deine Lage, in die Weinberge und Vinifikation. So, dass du am Ende eher begleitest statt einzugreifen. Da musst du Loslassen lernen. Du kannst nicht immer alles in der Hand haben. 

Empfindest du dich als Teil einer ganz neuen Generation von Winzern? 

Auf jeden Fall! Was die heutige Generation ausmacht, ist der intensive und offene Austausch. Ohne den wären wir nicht da, wo wir heute sind. Es ist verrückt, wie das komplette Weinland Deutschland in den letzten Jahren nach vorne marschiert ist. Dazu haben auch die Unis beigetragen, aber vor allem: die neue Offenheit.  Wir bringen uns weiter und inspirieren uns gegenseitig dazu, Dinge auszuprobieren.

Du verbringst viel Zeit in den Reben und im Weinkeller. Spielt Mode für dich trotzdem eine Rolle?  

Ja, doch. Das ist mir ehrlich gesagt sogar sehr wichtig. Ich geh’ unheimlich gern Klamotten einkaufen. Angeblich untypisch Mann. Wenn das Drumherum im Laden stimmt, wie bei euch im S1, schalt ich dabei komplett ab. Ich muss mich dann echt bremsen.  

Kleidung finde ich spannend, weil man damit seinen Typ zeigen und verändern kann. Klar, im Betrieb bin ich eher funktional angezogen. Umso mehr Spaß macht‘s mir, mich in der Freizeit komplett anders zu kleiden. Da tob’ ich mich aus und geb’ auch mal mehr Gas. Da ist’s dann nicht nur das karierte Hemd auf die Jeans.  

Hast du einen bestimmten Stil? 

Hm, der wechselt pro Saison. Im Sommer bin ich oft legere unterwegs, da kann‘s auch mal die zerrissene Jeans sein mit einfachem T-Shirt. Ganz entspannt. Im Winter bin ich eher in der Stimmung, mich chic zu machen. Bei mir liegt das viel an der Jahreszeit. 

Was bedeutet für dich “Männlichkeit”? 

Uff. Schwierige Frage! Mal überlegen. Ich glaub’, für mich heißt das sowas wie: Mit beiden Beinen fest im Leben stehen. Einen klaren Plan und eine Vision haben. Und damit etwas erschaffen, das deine Zeit überdauert.  

Puh, starke Worte! 

Naja (lacht) und dann sind Männer auch einfach nur Kindsköpfe. Ich zumindest. Da bleibt der Ernst in der Freizeit oft auf der Strecke. Zum Glück. Wenn du viel Verantwortung im Job hast, braucht‘s auch diese andere Seite, dass du loslassen kannst, alles locker ist und mit viel Humor und Witz. 

Julian, vielen Dank für das Gespräch! 

Das trägt Julian diesen Herbst


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