Natürlichkeit ist mehr als ein Trend. Im Gespräch mit Christian Weiss.

Florale Werkstatt 

Seit wann gibt es die Florale Werkstatt? Wie hat alles begonnen? 

In Freiburg kennt man mich als Florist seit 20 Jahren. Ich hab’ über 10 Jahre in einem angesagten Blumenladen gearbeitet. Mit immer mehr Verantwortung, Azubis und all dem. Das hat mir richtig Spaß gemacht. Dann kam der Moment für den Sprung in die Selbständigkeit. 

Und jetzt, seit 10 Jahren dein eigener Chef? Cool!

Ja, dass ich in meinem eigenen Laden stehe, ist wirklich die Erfüllung eines Kindheitstraumes. Klingt kitschig, stimmt aber. Ich hab’ ständig Kaufmannsladen gespielt, Klamottenladen, Blumengeschäft, Buchhandlung. Hauptsache Kunden beraten, Kasse machen und alles ständig umdekorieren.

In der Berufsschule hab’ ich dann ein Referat über meinen eigenen Blumenladen gehalten. Wie ich ihn aufziehen würde.  Die Lehrerin hat damals gesagt: “Wenn du gut bist und dich reinhängst, kannst du mit wenig Startkapital was auf die Beine stellen.” Und das war ab dann mein Ziel!  

Wie kam es gerade zum Berufswunsch Florist? 

Ich hab‘ schon immer gerne kreative Sachen gemacht, auch mit Pflanzen gearbeitet. Anfangs hatte ich aber echt Bedenken, weil es ja eher als Frauenberuf galt. Ich hab’ dann meine Freunde angeschwindelt und gesagt ich mach ein Praktikum in ‘ner Gärtnerei. Klang irgendwie männlicher! Aber tatsächlich war es ein Blumenladen. Die Chefin meinte nur zu mir: Mach das, das ist dein Ding! 

Also doch ein männlicher Beruf?

Ach, männlich, weiblich! Die Arbeit als Florist ist vor allem kreativ und abwechslungsreich. Aber klar, für manche Kunden ist das ungewöhnlich, als ich anfing war ich hier im Umkreis einer von genau zwei männlichen Floristen. War also fast ein Alleinstellungsmerkmal. Man kennt mich hier. “Der Blumen-Mann”. “Der Blumen-Chris”. (lacht)   

Und zum Glück denken die Leute heute nicht mehr so in Schubladen. Sieht man ja auch an der Mode. Frauen kleiden sich cool, lässig, androgyn. Männer achten auf ihr Äußeres, pflegen sich, tragen Skinny Hosen oder extravagante Farben.

Da spricht der Trendsetter! Du hast wirklich ein Gespür für Mode, woher kommt das? 

Hm... irgendwie war ich schon immer extrem modisch drauf. Für Freiburg vielleicht manchmal ‘n Ticken zu viel. Oder eher: zu früh. Es hieß schon oft: “Hey wie siehst du denn aus? Geht ja gar nicht.” (lacht) Dann hab’ ich meist gesagt: “Wart mal ‘n Jahr, dann reden wir nochmal!” Und ich hatte Recht. Modebusiness wäre also auch was gewesen.

Nutzt du dieses Gespür für deine Arbeit? Ist Mode eine Inspiration?

Auf jeden Fall! Wandelbarkeit ist mir wichtig. Der Laden sieht zu jeder Jahreszeit komplett anders aus. Ich hole mir oft Ideen aus Kunst und Mode, lass mich von Themen und Farben inspirieren, von der Art und Weise, wie Mode inszeniert wird. Ich find’ Mode und Kunst spiegeln sich oft. Mode ist neben Blumen meine zweite Liebe. 

So kommt auch die Nähe zu den Kaiser Modehäusern. Ich arbeite ja seit 12 Jahren mit Kaiser zusammen. Hätt’ ich da nicht schon meinen Laden gehabt, wäre ich bei euch beinah’ als Trend-Scout eingestiegen. Das ist hier schon ‘ne kleine Familie geworden.

Hast du eine Philosophie, eine besondere Handschrift?

Schon, ja. Ich fahre ein kleines Programm mit tagesfrischem Einkauf. Ich will ausschließlich Frische verkaufen und keine Blumen wegwerfen. Was abends weg ist, ist weg. Wie in einer guten Bäckerei. Ich kaufe nur nach Jahreszeiten ein. Dann gibt’s eben nicht immer Rosen, Tulpen oder Gerbera. Das ist wie mit den Erdbeeren im Winter. Die kommen von weit her und schmecken meist enttäuschend. 

Durch die natürliche Beschränkung werden Sträuße und Kränze viel individueller. Du kannst halt kein Standardprogramm fahren. Das inspiriert mich. Ich überrasche auch gerne mit ausgefallenen Ideen, zum Beispiel Blumen in der Papiertüte oder Eiswaffel, oder kleine Blumen-Päckchen to go, unsere Blumen-Sushis. 

In der Mode wird das Thema Nachhaltigkeit immer wichtiger. In deiner Arbeit auch?

Absolut! Da bin ich seit einigen Jahren dran. Ich kaufe viel regional ein, auch auf Bauernhöfen im Umland. Da möcht ich in Zukunft noch einen Schritt weiter gehen. Durch die Kooperation mit einer regionalen Flower-Farm. Dort wird alles selbst angebaut und ich kann die Blumen direkt abnehmen. Natürlichkeit fließt auch in die Sträuße ein. Ich versuche Nichts krampfhaft eine besondere Note aufzudrücken. Ich arbeite so natürlich wie möglich. 

Was heißt das konkret?

Hm… Zum Beispiel ohne gefärbte Blumen (ja, die gibt’s tatsächlich ziemlich oft), mit sehr wenig Grün. Das Grün kann dir den ganzen Strauß kaputt machen. Das wähl ich sehr bewusst aus, vielleicht mal Salbei oder Minze oder Gräser, auch gerne Zweige. Zum Glück verändert sich auch der Geschmack der Kunden in diese Richtung: Sie wollen, dass es natürlich rüberkommt!  

Du bindest keine Sträuße im Hinterzimmer, sondern direkt im Laden. Wie in einer Werkstatt. Deshalb auch der Name?

Genau. Ich will offen zeigen, wie ich als Florist arbeite. Ein Laden, der auch Charakter hat. Das ist kein steriler Verkaufsraum, sondern hier fliegen auch mal Blätter von der Theke. Und: es gibt keine Massenabfertigung, sondern echtes Handwerk. Das heißt auch, Sträuße und Blumenschmuck sind sehr individuell. Genau deshalb kommen die Leute dann wieder. Das ist ein riesen Lob. Sie merken, dass ich hier was anders mache. 

Christian, vielen Dank für das Gespräch!

Christian´s Lieblingsteile


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